Kochen, lachen, lernen:

Mirko Reeh kocht mit kleinen Krebs-Patienten

Fotos Stiftung Leben mit Krebs

Die Geschichte vom „Kräutlein rühr‘ mich nicht an“ und viele weitere spannende Abenteuer rund um den Kochtopf

Wiesbaden, 5/2013. Gemeinsam kochen und essen – das macht Spaß. Auch wenn man noch klein und ziemlich krank ist. Kinder mit Krebs und ihre Eltern haben neben der Erkrankung auch mit vielen Ernährungsproblemen zu kämpfen. Da sind praktische Hilfe und Ablenkung mehr als willkommen. „Freude am Essen – aktiv leben mit und nach Krebs“, so heißt ein neues medizinisch kontrolliertes Ernährungsprojekt, das seit Mitte April im Rahmen der Kampagne „Du bist kostbar – Hessen gegen Krebs“  in die Tat umgesetzt wird. Initiatoren sind die Stiftung Leben mit Krebs, das Hessische Sozialministerium und die Hessische Krebsgesellschaft. Beim Kinderkochen in Wiesbaden sind auch die Kinderkliniken der HSK Wiesbaden und der Mainzer Universitätsmedizin mit im Boot. Zusammen mit Starkoch Mirko Reeh, der als Ernährungs-Botschafter die Stiftung Leben mit Krebs unterstützt, sind die Oecotrophologin Dr. Reinhild Link, VitaLink Gesundheitsförderung bei Kindern, die Psychologin Katja Pfeiffer, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz, und PD. Dr. Jacqueline Bauer, HSK Wiesbaden, aktiv. Reeh vermittelt mit viel Herz und Verstand, wie man tolle Gerichte auf die Teller bringt. Drei Stunden lang begleiten alle die kleinen Patienten durch das lustige und lehrreiche Koch-Abenteuer. Austragungsort ist die Restaurant-Küche von Feinkost Feickert in Wiesbaden.

Ziel des Projektes ist es, den Symptomen der Krebsbehandlung entgegenzuwirken und wieder Freude am Essen zu gewinnen. Denn bei fast allen Tumorerkrankungen treten Ernährungsprobleme wie Appetitverlust, Gewichtsabnahme und Änderung der Geschmackswahrnehmung auf, die eine starke Einschränkung der Lebensqualität bedeuten. Dabei ist ausgewogenes und regelmäßiges Essen eine wesentliche Voraussetzung für den Therapieerfolg – das wissen die begleitenden Ärzte und Psychologen der HSK und der Universitätsmedizin Mainz aus langjähriger Erfahrung. Mit medizinischem Knowhow und persönlichem Einsatz unterstützen Prof. Markus Knuf, Direktor der HSK Kinderklinik, und sein Mainzer Kollege Prof. Dr. Fred Zepp das Projekt.

„Mit dem neuen Angebot ‚Freude am Essen – aktiv leben mit und nach Krebs‘ möchten wir Kindern und Erwachsenen, die an einer Krebserkrankung leiden, zeigen, wie lebenswert das Leben sein kann“ berichtet der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner, Schirmherr der Kampagne „Du bist kostbar“.

Klaus Schrott, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Leben mit Krebs und Initiator des Kinderprojektes, betont noch einen Aspekt des Kochkurses: „Die aktive Teilnahme der Kinder an dem Kochprogramm soll ihnen vor allem viel Spaß machen. Durch selbstständiges Zubereiten der Speisen sollen die Kinder ihre Stärken entdecken und ihre Lustlosigkeit überwinden.“

Bis zu 12 Kinder können pro Kochkurs mit dabei sein. Auch Geschwister dürfen mit an den Herd. Die begleitenden Eltern werden in einem Nebenraum von der Oecotrophologin geschult. Für Vor- und Nachbereitung und die Dokumentation sorgen wissenschaftliche Mitarbeiter.

Mirko Reeh, bekannt für gute Küche und gute Unterhaltung, hat viel Erfahrung im Kochen mit Kindern jeden Alters. In drei aufeinander folgenden Kochkursen lernen die Kids jetzt, wie man sich gesund ernährt und viel Spaß bei der Zubereitung von immer neuen Lieblingsgerichten hat. Auf dem Plan stand diesmal neben dem Kochen auch ein Exkurs in die Kräuterkunde und ins Reich der Gewürze. Begreifen – im wahrsten Sinne des Wortes – war gewünscht. Und weil Kinder neugierige Menschen sind, hatte das „Kräutlein rühr‘ mich nicht an“ absolut keine Chance. Richtig dufte fanden die Kinder auch den Ausflug in die Welt der Gewürze. Immer der Nase nach führte Reeh sie an bekannte und unbekannte Kräutlein heran und auch dorthin, wo der Pfeffer wächst.

Für Stunden waren Traurigkeit, Ängste und Lustlosigkeit wie weggeblasen. Und ganz wichtig: es wurden Pläne geschmiedet – für viele weitere Koch-Abenteuer. Die kleine Rezeptsammlung, die Reeh für seine Gäste zum Mitnehmen bereit hielt, wurde mit Freude aufgenommen und eingepackt. Doch bevor man den Nachhauseweg antrat, wartete noch ein ganz besonderes Highlight: das gemeinsame Tafeln am langen Tisch, das zusätzlich Halt gibt. Und diesmal war es ganz anders als zu Hause, denn die Eltern wurden von den Kindern mit einem leckeren Dreigang-Menü bekocht, das alle sehr genossen haben. „Es war eines der schönsten Erlebnisse in meiner Kochkarriere, miterleben zu dürfen, wie es allen geschmeckt hat. So macht Kochen noch mehr Sinn“ sagt Reeh.

In Kürze geht es weiter mit neuen Kochkursen für große und kleine Krebspatienten. Und sicher wird auch dann wieder viel gelacht werden.

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